Ich denke das ist die Frage die man sich stellen sollte wenn man sieht das es mittlerweile ein doch sehr zahlreiches Internetangebot für Frauen gibt und ausserdem deutlich mehr Frauen in Social Networks unterwegs sind als Männer.
Letzteres ergab eine Studie in den grossen, amerikanischen Netzwerken*, das Gesamtergebnis ist für Damen und Herren ab 14 Jahren visualisiert.

Quelle: Eigene Darstellung auf Basis dieser Studie
Was auffällt ist, dass insbesondere bei 14 bis 34 Jährigen die Anzahl der Frauen, die sich online tummeln, deutlich über der, der Männern liegt - genau die grösste AltersGruppe, die auf barcamps vertreten ist (Quelle: eigene Beobachtung auf ca 8 Camps)
Die Frage ist nun, warum sind Frauen auf barcamps immernoch so drastisch in der Unterzahl, obwohl ein barcamp IMHO nur eine offline Manifestation des grossen Social Networks “web2.0″ ist?
Es gibt eine Reihe von Gründen, die von meinen Geschlechtsgenossinnen als Ursache angesehen werden könnten - aber müssen das Gründe sein?
Schauen wir uns das doch einmal genauer an.
Liegt es an den Themen?
Diese These könnte man vielleicht in Erwägung ziehen, wenn auf barcamps generell nur über hochtechnische Themen referiert werden würden. Das ist aber definitiv nicht so.
Natürlich ist Technik dabei aber es sind ebenso eine Reihe von Themen aus Marketing & PR (übrigens auch eine frauenlastige Branche) Design und Onlinewelten, sowie völlig netzfremde Themen wie z.B. „der perfekte Espresso“ , „was macht gutes chinesisches Essen aus“ oder „wie kann ich meinen Alltag besser organisieren“.
Hier also ein - NEIN das sollte kein Grund sein
Liegt es an den anwesenden Männern?
Mein erstes richtiges barcamp war das barcampberlin2 im letzen Jahr und ich habe mich keine Sekunde zwischen der Überzahl an Männern unwohl gefühlt – im Gegenteil. Wirklich jeder kam offen und feundlich auf mich zu, ich habe keine dummen Sprüche erlebt, auch nicht wenn ich technische Fragen gestellt habe und bis heute habe ich auch keine deplazierte Anmache erlebt und auch von keiner anderen Frau gehört das so was jemals passiert ist.
Unterstellt man der Frau eine Jagdintention bei dem Besuch von Netzwerkveranstaltungen, so kann man auch hier keinen Grund finden warum sie nicht kommen sollte – wo sonst gibt es so viele offene und sympathische Männer bei so wenig Konkurrenz? Und nein der Mythos vom Nerd stimmt hier nicht, es laufen nicht nur ungepflegte Typen rum, sondern durchaus hübsche Exemplare der Spezies Mann, ja das kann man so sagen
Hier also auch – NEIN das muss kein Grund sein
Liegt es daran, dass Frauen von barcamps nichts mitbekommen?
Kommen wir an dieser Stelle doch noch einmal auf die Eingangsfeststellung zurück – Frauen sind online aktiv - zähle dazu - barcamps werden online aktiv beworben - wo ist also das Problem?
Ich persönlich bin zum ersten Mal in einem blog über das Wort barcamp gestolpert und war dann neugierig, habe ein wenig recherchiert und bei der nächsten Gelegenheit einfach mal gefragt.
Wenn man Online ein wenig aktiver ist, hat man meiner Meinung nach gar keine Chance nicht irgendwann über ein Kommentar zu stolpern, dass auf ein barcamp hinweist. In facebook, Xing und StudiVZ gibt es Gruppen zu barcamps und auf jeder Eventplattform da draussen sind die barcamps eingetragen.
Trotzdem könnte Frau darüber hinweglesen, denn wenn man nicht weiß das etwas sehr interessant ist, übersieht man es schnell einmal.
Hier also ein – könnte sein, muss aber nicht
Kommen Frauen mit der Anmeldung zu den barcamps nicht klar?
Ich gestehe, bei der Anmeldung zum barcampberlin2 war ich noch zu dusselig das Prinzip zu 100% zu verstehen und habe nach der erfolgreichen Anmeldung bei mixxt (ha gar nicht weh getan
) , schlichtweg vergessen mich im Wiki zu registrieren (Anfängerfehler).
Mittlerweile gibt es aber die Eventfunktion und mit einem Klick steht man auf der Liste – das kann selbst meine kleine Schwester. Ausserdem ist auf der Startseite von jedem bar- und Themencamp, dass ich bei mixxt gesehen habe ein kleiner Erklärungstext zu der Anmeldung dabei – sicher ist sicher.
Die Anmeldung bei mixxt selbst ist meines Erachtens auch völlig simpel – ein Formular ausfüllen, Bestätigungslink in der Mail anklicken, auf Netzwerk beitreten klicken und fertig.
Ich muss jedoch gestehen, das ich gerade bei dem Frauenbarcamp, dass auf groops läuft deutlich mehr Probleme hatte – vielleicht ein Grund für die niedrige Teilnehmerinnenanzahl?
Hier also ein – für mixxt kann ich sagen – daran liegt es nicht.
Sind Frauen zu langsam?
Ok, ich kann mich noch an Zeiten erinnern, das waren die Plätze für ein barcamp ratzfatz weg. Heute allerdings hat sich die Lage deutlich entspannt. Ausserdem habe ich schon des öfteren gesehen, dass am letzten Tag die Teilnehmeranzahl so hochgestuft wurde, dass alle, die auf der Warteliste standen mit auf die Teilnehmerliste gekommen sind.
Was ich damals noch nicht wusste, es wurde noch keiner weggeschickt – trotzdem sollt man sich der Höflichkeit halber anmelden (und abmelden wenn man es nicht schafft)
Hier also ein – kann ich mir heute nicht mehr vorstellen.
Liegt es an Desinteresse?
Viele Frauen, denen ich von dem barcamp-Prinzip erzähle sind sehr angetan davon und einie habe ich im Anschluss an das Gespräch auch dort getroffen (und auf den nächsten, das Suchtpotential ist nunmal unbestreitbar
).
Bei Interesse und Desinteresse konnte ich bisher zwischen den Geschlechtern keine Unterschiede feststellen, der einzige Unterschied bestand darin, das Männer häufiger Fragen ob es dort Cocktails gibt oder ob hübsche Frauen da sind, während Frauen sehr viel über die Atmosphäre und die Menschen die dort sind fragen.
Und ach ja – es war ein Mann, der mir in meiner letzten Geburtstagskarte weiterhin viel Spaß auf den Internet-darkrooms wünschte und dabei barcamps meinte.. ja ich weiß ich habe ein paar Klischeetypen im Bekanntenkreis.
Hier also ein – könnte sein
Liegt es daran das die barcamps in immer unterschiedlichen Städten stattfinden?
Darauf gibt es weder eine generelle noch eine gender-spezifische Antwort. Ich hab sehr viel Spaß an dem rumreisen, daran neue Gesichter und Geschichten kennenzulernen – mir bringt es spaß, aber ich kenne genaus Männer und Frauen die wenn überhaupt nur barcamps besuchen, die vor der Tür stattfinden.
Hier also ein – kann sein
Muss Mama zuhause bleiben und auf Kind und Kegel aufpassen, während Papa beim barcamp ist?
Nein, weil es meistens Kinderbetreuung gibt, oder zumindest im Vorfeld gefragt wird, ob welche benötigt wird.
Hier also klar – Nein, dass muss kein Grund sein.
Also Ladies, wie Ihr seht gibt es eigentlich keinen Grund nicht auf ein barcamp zu gehen, dafür eine Reihe von Gründen die dafür sprechen.
Man lernt nicht nur eine Reihe von interessanten Menschen kennen und lernt etwas bei den Vorsträgen, sondern man hat dabei auch noch eine Menge Spaß, es ist in den meisten Fällen kostenlos und das sogar incl. Essen und Trinken und man erweitert sein Netzwerk, kommt in einen Kreis von netten aufgeschlossenen Menschen, die recht schnell zu guten Bekannten oder Freunden werden können und wer weiß, vielleicht begenet Ihr sogar dort Euren Traummann - wer es nicht versucht der kann es auch nicht rausfinden
In diesem Sinne bis zum nächsten barcamp, eine Übersicht findet Ihr in meiner Übersicht über die anstehenden barcamps in Deutschland.
PS: Dem Thema “Sinn und Unsinn eines barcamps NUR für Frauen” widme ich mich demnächst.
* In der Studie erfasst wurden Bebo, Blackplanet, Classmates, Facebook, Flickr, Flixster, Friendster, Hi5, LinkedIn, Multiply, Myspace, MyYearbook, Perfspot und Tickle