3rd November 2009

barcamp Organisation - Lektionen aus 2 Jahren

Nun ist es 2 Jahre her, dass ich das Team rund um Cem bei der Organisation des Wordcamps unterstützt habe.
Seitdem habe ich sowohl kleine Camps wie das artcamp als auch große wie das barcamp Hamburg (mit-)organisert und eine Menge gelernt. Ein wenig davon möchte ich Euch nun weitergeben.

1. Lerne Verstehe was ein barcamp ist

Franz hat einen super Text darüber geschrieben was ein barcamp ist. Dieser ist eine gute Einstiegslektüre, aber nur lesen reicht nicht aus um wirklich zu verstehen was ein barcamp ist.

Ein barcamp ist eine Unkonferenz, bei denen die Teilnehmer im Mittelpunkt stehen. Klingt einfach und logisch, ist es aber nicht wirklich.
Aus diesem Grund ist es obligatorisch, dass man mindestens ein barcamp mitgemacht hat.  Die Gemeinsamkeit aller wirklich guten barcamps die ich erlebt habe war ein Orga-team, dass mit Leidenschaft hinter dem Projekt stand - diesen”barcamp Spirit” muss man gespürt haben um ihn weitergeben zu können.

2. Überlege es Dir gut!

Ein barcamp zu organisieren kostet Zeit und Nerven, eine Menge Selbstdisziplin, eine hohe Frustrationstoleranz und einen gewissen Mc Gyver Spirit für die Momente in denen mal wieder die unglaublichsten Dinge passieren und man improvisieren muss.

3. Suche Dir ein gutes Team, idealerweise incl. Mediator

Ich habe barcamp Teams auseinanderbrechen und einzelne Menschen verzweifeln sehen, aus diesem Grunde ist es wichtig, dass man sich ein Team sucht mit dem man durch dick und dünn gehen kann. Für Diven und Traumtänzer wird die Luft schnell dünn und Streitigkeiten unter einzelnen Teammitgliedern sabotieren das gesamte Vorhaben.
Man muss sich auf jeden einzelnen Verlassen können und wenn mal was nicht funktioniert auch offen und ehrlich miteinander reden können.

Sollte es Streit geben ist es gut wenn man einen Mediator in seiner Mitte hat, der einen besonders guten Draht zu allen hat und in der Lage ist Missverständnisse auszuräumen und die Parteien wieder an einen Tisch zu bringen.

Da ich diese Rolle des öfteren inne hatte weiß ich wovon ich rede ;)

4. Location first & die “richtige” Location

Nach  dem “Debakel” mit dem artcamp habe ich eines gelernt - die Location hat absolute Priorität! Nicht nur weil ohne Location = kein barcamp sondern auch weil mit Location die Sponsorensuche deutlich einfacher wird.

Wichtig ist, dass man für die geplante Anzahl an Besuchern ausreichend Räume hat - einen großen für die Vorstellungsrund und etwa 2-x Räume für die Sessions (wir planen mit mindestens 1 Raum pro 50 Teilnehmer). Mindestens die Hälfte der Räume sollte einen Beamer haben, wenn kein Beamer da ist bitte offen kommunizieren - manch einer steht ohne seine Präsentation doof da. WLAN ist immer einer der kritischen Punkte, ohne WLAN gibt es schnell Unmut unter den Teilnehmern. Deshalb im Vorfeld gut testen wie das WLAN läuft und wo man noch einen Verstärker aufstellen muss. Ich hatte Glück, denn ich habe immer meinen WLAN-Guru Christian im Team gehabt ;)

5. Werbung, Werbung, Werbung

Ein barcamp ohne Teilnehmer funktioniert nicht also nutzt einfach alle Kanäle um auf Euer barcamp aufmerksam zu machen. Standart sind twitter Account, eintragen in den internationalen barcamp Kalender, auf XING, facebook, upcoming etc.
Je nach Zielgruppe sollte man versuchen in einschlägige Mailinglisten zu kommen (Beispiel - für das artcamp haben wir den Kunstverein gebeten in ihrem Newsletter auf uns aufmerksam zu machen).
Eine Pressemitteilung sowie mehrere blogeinträge, die Lust auf das camp machen sind auch nie verkehrt.
Wir haben festgestellt, das am besten eine Person für alle Marketingmaßnahmen zuständig ist und es koordiniert, sowie dokumentiert.

6.Das Thema Sponsoren

Was wirkt besser - Mail oder Anruf?
Unserer Erfahrung nach ist ein kurzer Anruf im Vorfeld wirksamer und die Recherche nach einem Ansprechpartner ist bei einschlägigen Business Networks relativ leicht geworden.

Wen spricht man an?
Natürlich kann man eine Liste von 100 potentiellen Sponsoren durchklingeln und wird dabei auch eine gewisse Erfolgsquote haben. Die Strategie, die für uns am besten funktioniert habe war jedoch nach thematisch passenden Sponsoren zu suchen.
Warum?
Es geht beim Sponsoring nicht darum Geld irgendwohin zu schieben, sondern einen Mehrwert zu generieren - das geht natürlich am besten, wenn das Thema passt. Ausserdem können sich die Sponsoren dann vor Ort besser einbringen und sind in der Regel mit dem Ergebnis am Schluss zufriedener. Zufriedene Sponsoren sind potentielle Sponsoren für das nächste Mal.

Ein weiteres wichtiges Thema - der Sponsorenflyer. Er sollte nicht nur die unterschiedlichen Sponsorenpakte beschreiben sonder auch erklären was ein barcamp ist und welche Zielgruppe der Sponsor erreichen kann.

7. Es muss nicht immer das 3 Gänge Menü sein & Sachsponsoren sind toll

Mir kommt es ein wenig so vor als ob viele barcamper mittlerweile viel zu verwöhnt von dem Catering auf barcamps sind. Wenn man will kann man Unsummen für Essen und Getränke ausgeben aber ich sage Euch eins - gemosert wird immer.
Aus diesem Grunde haben wir uns irgendwann dazu entschlossen dafür zu sorgen, dass es für jeden genug gibt aber aber auf unnötiges Gedöns zu verzichten. Ideal für diese Stratgie sind Sachsponsoren - ob leckeres Müsli, Schokolade,Tee, Kaffee oder Wein - ein barcamp ist immer eine gute Möglichkeit Produkte zu verkosten und direktes Feedback zu bekommen - eine Win-Win-Situation für beide.

8. Sicher Dich ab

Damit ist nicht nur eine Veranstaltungsversicherung gemeint, die es schon für etwa 150€ gibt und eine Menge Kopfschmerzen erspart. Wichtig ist es auch sich bei den Sponsoren eine gewisse Sicherheit zu holen um nicht nach dem camp mit einem Minus dazustehen. Am einfachsten ist es sich eine Sponsoring-Einverständniserklärung unterschreiben zu lassen. Eine kleine Geste, die erfahrungsgemäß viel Sorgen und Ärger erspart.

9. Austausch vorher und nachher sowie einfachere Organisation gewünscht - nimm mixxt

Auch wenn es immer wieder Duskussionen darüber gibt ob Wiki / Netzwerk oder sonstwas - ich habe die Organisation eines barcamps mit mixxt sehr zu schätzen gelernt.

Man gibt den Teilehmern ausreichend Gelegenheit sich vor der Veranstaltung über Sessionideen auszutauschen und schonmal zu gucken wer so kommt. Dazu bilden sich hier Fahrgemeinschaften und Mitwohnzentralen und im nachhinein kann man die Sessions an einem Ort dokumentieren, Bilder hochladen und Artikel verlinken.

Für mich als Organisator ist es schön einfach die Teilnehmerlisten zu verwalten, Newsletter zu verschicken und damit die Teilnehmer immer wieder zu aktivieren.

Eine Runde Sache, da man das Netzwerk auch für die nächste Veranstaltung reaktivieren kann und nicht aufs neue Teilnehmer gewinnen muss.

Und was Datenschutz und Nutzbarkeit angeht - ich bin mir sehr sehr sehr sicher, dass meine Daten hier sicher sind und ich kenne deutlich mehr Menschen, die nicht mit einem Wiki umgehen als jene, die ein Social Network nicht verstehen.

10. Der Dauerbrenner - die  No-Show-Rate

Ein Thema das mir bei jedem barcamp sauer aufstösst ist die No-Show-Rate d.h. der Anteil an Menschen die sich anmelden und dann meinen doch nicht erscheinen zu müssen. Das ist nicht nur ärgerlich für die, die aufgrund der vollen Teilnehmerliste nicht kommen können sondern auch für die Organisatoren und Sponsoren, die mit der Teilnehmerzahl rechnen.
Eine Lösung hat dafür noch keiner gefunden. Die einen Überbuchen aus Prinzip um etwa 30%, die anderen schreiben im Vorfeld unzählige Newsletter mit der Bitte, dass man sich doch bitte abmeldet, wenn man nicht kommt oder nehmen Anmeldegebühren, die nicht erstattet werden.
Gefühlt ist es so, dass die No-Show-Rate höher ist, wenn die Teilnehmer weniger webaffin sind (vielleicht weil die Klicks zum abmelden dann doch zu kompliziert sind?) oder die Anmeldung lange vorher geöffnet wurde.
Den super Geheimtipp gibt es hier leider nicht und man muss leider auch damit rechnen, das eine No-Show-Rate sogar 50% beträgt.

So, dies sind 10 Dinge, die ich mit den Jahren gelernt habe aber man lernt ja bekanntlich nie aus - was sind Eure Top-Tipps für die Organisation eines barcamp, wo habt Ihr andere Erfahrungen gemacht?

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24th May 2009

Wie lösche ich meinen Account bei… der Ausweg aus deutschen Social Networks

Ich habe eine Reihe von Accounts bei den unterschiedlichsten Social Networks.

Ab einer gewissen Menge kann dies anstrengend werden - Newsletter, Nachrichten und Informationen die jeden Tag im Postfach landen kosten Zeit.

Einen Account anzumelden geht heute schnell, wie sieht es aber aus wenn man diesen löschen möchte? Ich habe da für den deutschen Raum mal ein wenig recerchiert.

groops

Ein Dienst bei dem ich mich seinerzeits auch nur wegen dem “barcamp für Frauen” angemeldet habe ist groops.  Gut, ich wollte nicht in die Hamburg Gruppe und den Newsletter wollte ich nicht mehr haben also war da der Wunsch - raus da.

Nach langem Suchen habe endlich heraus gefunden, dass man eine Email an delete@groops.de schicken muss um dies zu tun. Darin enthalten müssen sein der Benutzername und die Emailadresse mit der man sich angemeldet hat.

Gesagt, getan am 24.03. habe ich die Email rausgeschickt. Nachdem ich 2 Wochen später schon einmal nachgesehen habe und der Account noch immer da war, musste ich heute leider feststellen, das sich dies noch immer nicht geändert hat.  Sehr schade - mehr als 1nen Monat finde ich schon sehr hart.
Das habe ich dann auch getwittert und tadaa - innerhalb kurzer Zeit kam eine Antwort von @miadonna und mein Account war gelöscht. Der Grund warum es so lange gedauert hat war wohl ein bug im deletebot (oder so), kann ja mal passieren.

mixxt

Nein, ich plane nicht meinen mixxt Account zu löschen, den brauche ich noch und ich gebe meinen Platz für das barcamp cologne 3 sicher nicht wieder aus der Hand ;)

Bei mixxt kommt man genauso einfach raus, wie man reingekommen ist. Oben in der mixxt-bar findet man den Punkt Einstellungen.

Klickt man hier rauf öffnet sich die komplette Account Verwaltung.

Unter Benutzerzugang findet man den Button - Zugang löschen. Ein Klick hierauf, das ganze noch einmal bestätigen und man ist raus.

sixgroups

Auch hier ist es einfach “rauszukommen”

Ebenfalls in die Einstellungen des eigenen Profils gehen und dort auf “account löschen” klicken.

Tribax

Hier kann man seinen Account auch nur löschen lassen. Eine Nachricht an den  Community-Support über das Kontaktformular soll es richten. Erfahrungswerte darüber, wie lange es dauert kann ich hier leider nicht bieten. Wenn Sie jemand hat freue ich mich über einen Kommentar.

StudiVZ / MeinVZ / SchülerVZ

Exemplarisch am StudiVZ und direkt aus deren AGB der Weg aus der VZ Familie, hier reicht es, wenn man sich unter:
„Mein Account“ über die Schaltfläche „Meinen Account löschen“ abmeldet. Alternativ kann der Nutzer die Kündigung einfach per E-Mail unter abmeldung@studivz.net erklären oder auch schriftlich an studiVZ unter Angabe der zuletzt für die Nutzung des studiVZ-Netzwerkes verwendeten E-Mail-Adresse richten.

Wer-kennt-wen

Und wieder ein schneller Ausweg. Einfach auf “Einstellungen” klicken und danach den Reiter “Account löschen” wählen.

lokalisten

Die Frage nach dem “wie lösche ich meinen Account” wird in der (schlecht lesbaren) Hilfe so beantwortet:
“Bitte schreibe uns eine email an deleteuser@lokalisten.de mit angabe deines spitznamens und des löschgrundes. du erhältst dann eine email mit einem link, über den du dann deinen löschwunsch nocheinmal bestätigen musst. danach wird dein account innerhalb der nächsten zwei tage automatisch gelöscht.”

XING

Wenn man Basis Mitglied ist geht auch dies ganz einfach unter mit dem Link  https://www.xing.com/app/user?op=cancel , den man in der Hilfe findet .
Als Premium Mitglied muss man zunächst den Ablauf seiner Premium Mitgliedschaft abwarten. Dies kann man mit einer kurzen Mail an den Support kündigen. Finde ich völlig ok, denn man hat ja auch dafür gezahlt.
Mal ganz abgesehen davon, dass XING seit Jahren einer meiner aktivsten Accounts ist, es mittlerweile zu meinem Alltag gehört und ich nicht auf die Idee kommen würde dies zu tun. ;)

So, das war es für heute - habt Ihr Erfahrungen gemacht mit diesen oder anderen Anbietern? Dann immer her mit den Kommentaren.

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6th March 2008

Was ist Twitter ?

Da mir diese Frage immer und immer wieder gestellt wird und ich gerade über das Video “twitter in plain english” gestolpert bin, hier einmal die Antwort, einfach und verständlich für jedermann - na ja zumindest wenn man der englischen Sprache mächtig ist ;)

 

 

[via]

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30th January 2008

Massenmediale Gehirnwäsche

Als ich anfing diesen Artikel zu schreiben war meine Intention einfach mal zu zeigen warum es einem oftmals so vorkommt, als würde eine aufsehenerregende Straftat ihre nicht minder grausamen Nachfolger regelrecht auf den Plan rufen.

 

Bei meiner Recherche aber stieß ich auf ein paar interessante Zahlen zum Thema Kriminalitätspolitik, insbesondere im Hinblick auf  die aktuelle Diskussion betreffend krimineller Jugendlicher.

Jeder prinzipiell intelligente Mensch müsste in der Lage sein zu erkennen, wie absurd die fremdenfeindlichen Aussagen und Forderungen von Herrn Koch und seinen Trittbrettfahrern sind, für mich ist das nichts weiteres als Hetze und populistisches Stimmungsmache.

 

Wo liegt die Intention - soll der NPD die Wählerschaft abgenommen werden? Eine gewisse Vorbildfunktion Kochs für diese Zielgruppe lässt zumindest dieser Beitrag hier vermuten.

Doch erst einmal zurück zum Ausgangsthema.

 

 

Seit dem unglaublichen Vorfall, an dem ein Rentner von 3 Jugendlichen zu Tode geprügelt wurde, habe ich das Gefühl, dass plötzlich fast täglich über neue Fälle dieser Art berichtet wird.

Ein Phänomen, das mir nicht zum ersten Mal auffällt und hinter dem (nicht nur meiner Meinung nach) eine zielgerichtete Systematik steckt.

 

Schon bei den Fällen von Kindesmisshandlung und -Vernachlässigung, schienen die Fälle plötzlich wie Pilze aus dem Boden zu schießen.

Die traurige Wahrheit ist - meistens haben wir es hier nicht mit einem sprunghaften Anstieg spezieller Straftaten zu tun, sondern lediglich die Berichterstattung ist eine andere und oftmals steht ein populistisches oder gar politisches Kalkül dahinter auf das ich hier jetzt ein bisschen näher eingehen möchte.

 

 

Der Einfluss der Medien auf die Kriminalitätswahrnehmung und damit indirekt auch auf die Politik ist meiner Meinung nach relativ einfach zu erklären.

Nehmen wir als Beispiel dafür einmal die aktuelle Debatte über die Jugendkriminalität und zwar unter Abstraktion der unglaublich dämlichen Kommentare von Herrn Koch. (Hier übrigens noch einmal eine gewohnt stechende Interpretation zu dem Thema beim pantoffelpunk).

 

 

Berichten Zeitungen viel und prominent über bestimmte Straftaten, wird die Wahrnehmung der Bürger relativ schnell selektiv.

Je heftiger der Auslöser, d.h. grausamer die Fälle, umso schneller setzt dieser Prozess ein - ein ganz einfaches Prinzip der Theorie der kognitiven Dissonanz. (Wir erinnern uns - oder lesen hier noch einmal nach)

Die Tat vor Weihnachten, bei der ein Rentner mit brutaler Gewalt zu Tode geprügelt wurde hat die Nation erschüttert, insbesondere deswegen weil die Meldung mitten in die Zeit der Besinnung und des Friede Freude Eierkuchens “hineinplatzte”.

Die öffentliche Aufmerksamkeit war plötzlich groß, die Menschen wollten alles über dieses Thema wissen und entsprechend prominent wurde über das Thema berichtet, denn Inhalt den Leser lesen wollen lässt sich nunmal besser verkaufen.

 

 

Entsprechend wurden ähnliche Nachrichten, die bis dato eher einen Platz auf Seite 3 bekommen hätten auf die Titelseite gebracht, die Berichterstattung vertieft, diskutiert, gehypt und allein schon die Art und Weise wie manches Blatt oder manche Sendung seine Berichte formulierte (Betonung immer wieder auf den ausländischen Hintergrund, wenn Deutsche beteiligt waren Sätze wie “ein junger Mann mit deutschem Aussehen” (suggeriert das es nicht so sein muss) etc…

 

 

2004 hat TSN Infratest mehrer Umfragen zum Thema Kriminalität durchgeführt.
Betrachtet wurde der Zeitraum von 1993 bis 2003 in dem die Kriminalitätsrate de facto um -2,6% abgenommen hatte

 

Die Studie ergab, dass

  • 1. weniger als 10% der Befragten überhaupt ein sinken der Kriminalitätsrate vermuteten
  • 2. ein Grossteil der Befragten den Anstieg der Straftaten extrem überschätzte (je nach Straftat bis zu 260%)

Doch damit noch nicht genug, in einer zweiten Studie wurde dann noch gefragt wer wohl verantwortlich für diesen Anstieg wäre und die Antwort war ebenso eindeutig wie erschreckend - Ausländer.

Um genau zu sein wurde ein Anstieg des Anteils

“der Ausländer an den polizeilich regeistrierten Tatverdächtigen [..]von 26,7% auf 36,5%”

unterstellt, in der Realität sah es aber so aus, das selbiger

auf 19,0% gesunken war.

 

Wie kommt es nun zu einer solchen Diskrepanz zwischen Realität und Wahrnehmung und welche Auswirkungen hat das auf die Kriminalitätspolitik?

Medienwissenschaftliche Untersuchungen aus den USA und Kanada haben gezeigt, das sich hier eine Realtion zu der Darstellung von Kriminalität in den Massenmedien feststellen lässt.
Wird trotz sinkender Kriminalitätsraten, vermehrt über Gewaltdelikte berichtet - unabhängig davon ob real z.B. in den Nachrichten oder fiktiv wie z.B. in Serien etc. tendieren die Menschen dazu die Kriminalitätsrate als ansteigend einzuschätzen.

 

Wie schon oben erwähnt wird der Inhalt über den berichtet wird auch immer vom Marktwert bestimmt, d.h. was die Menschen interessiert lässt sich besser verkaufen.

 

Genauso wie negative Erinnerungen einem Menschen tendenziell deutlicher in Erinnerung bleiben wie postive werden negative Nachrichten gegenüber anderen Nachrichten bevorzugt.(Galtung/Runge 1965)
Ergo haben derartige Nachrichten in der Regel auch einen höheren Marktwert als positive.
Dazu kommt, das insbesondere Privatsender auf eine Personalisierung und Emotionalisierung in der Berichterstattung setzen - in Gerichtshows beispielsweise werden zwischenmenschliche Probleme und Schicksale auf der Bühne einer Straftat thematisiert.

 

Betrachtet man Privatsender wie RTL und Sat1, die deutlich mehr darauf angewiesen sind “quotentaugliche” Beiträge zu senden so zeichnet sich gemäß einer Studie des Hannoveranischen Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung allein zwischen 1995 und 2003 der Anteil “kriminalitätshaltiger Sendungen am Gesamtprogramm” von 13,1 auf 18,7 bzw. 11,4 auf 19,5% angestiegen ist.

 

Alles in allem wird den Zuschauern so suggeriert das “das Böse real” und ganz nah ist, was zu einem erhöhten Unsicherheitsgefühl und damit steigendem Sicherheitsbedürfnis führt.(Krüger 2000, S.278-296)

 

Dieses diffuse Sicherheitsbedürfniss lässt die Stimmen nach härterer Strafpolitik lauter werden, was wiederum einige Politiker als Anlass dafür nehmen mit solchen Themen gezielt Wahlkampf zu betreiben.

 

Das traurige Ende vom Lied ist ein Kreislauf von zielgerichteter Berichterstattung, kombiniert mit darauf abgestimmten, völlig absurden politischen Forderungen und Unterstellungen, die wiederum die Ausrichtung der Berichte noch einheitlicher werden lassen, so dass Otto-Normalbürger gar nicht mehr in der Lage ist in der Masse von Absurditäten die Wahrheit zu finden..

Quellen

Krüger, U. Michael (2000). Unterschiedliches Informationsverständnis im öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehen,in: Media Perspektiven 7/2000, S. 278 œ 296

Galtung, Johan & Ruge, Marie H. (1965): The Structure of Foreign News: The Structure of
Foreign News. The Presentation of the Congo, Cuba and Cyprus Crisis in Four
Norwegian Newspapers, in: Journal of Peace Research, 2/1965, S. 64 œ 91
Christian Pfeiffer, Michael Windzio, Matthias Kleimann: Die Medien, das Böse, und wir

 

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30th October 2007

Warum machen die sowas? Rechtfertigung von Grausamkeit

 

Wer macht sowas?

Diese Frage stellt Dieter gerade vor kurzem in seiner gewohnt prägnant-provozierenden Art

Die Frage nach dem “wer” kann ich nicht beantworten, denn ich kann und will mich gar nicht in die Gedankenwelt einer Person hineinversetzen, die es für notwendig hält sich über das Leid anderer auf so eine Art und Weise lustig zu machen.

Da ich mich allerdings mit dem Thema “Rechtfertigung von Grausamkeiten” eine ganze Weile beschäftigt habe, möchte ich hier ein bisschen über die Frage nach dem “warum” spekulieren.
Spekulation ist dabei relativ, denn es ist ein empirisch validiertes Phänomen, dass im Rahmen der Theorie der kognitiven Dissonanz (welche auch sonst..) ausgiebig untersucht wurde.

Führen wir uns zuerst nochmal die Sachlage vor Augen um die es mir hier geht:

Im Örtchen X gibt es eine Ausländerbehörde. Bereits in der Vergangenheit gab es schon mal Stress, weil die Mitarbeiter dieser Behörde sich lustige Visitenkarten mit Texten wie „Never Comeback Airlines“ oder „Wir buchen, Sie fluchen“ drucken ließen.

Sowohl die Tätigkeit, als auch die Betroffenen werden ins lächerliche gezogen und abgewertet, leider ein typisches Schema, dass man nicht nur in dieser Situation beobachten kann.

Abstrahieren wir zunächst einmal - was passiert hier?

Ein Mensch tut etwas, dass einem anderen Menschen “Schaden” zufügt und wertet anschließend Person und Situation ab.

 

Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass eine Abschiebung immer mit negativen Konsequenzen verbunden ist, erst recht, wenn dabei Familien getrennt oder hier aufgebaute Existenzen zerstört werden..

Trotzdem bewegen wir uns erstmal weg von den Beamten, hin zu der geschützten Umgebung eines Experiments, dass David Glass mit willigen Versuchskaninchen Studenten durchführte.

Die Studenten erklärten sich dazu bereit, einem anderen Menschen schmerzhafte Elektroschocks zu geben und in der Folge konnte beobachtet werden, dass die Probanden ihr Opfer herabwürdigen.

Warum tun die sowas ?

Hier kommt die Theorie der kognitiven Dissonanz ins Spiel. Wie schon mal erwähnt, tendiert der Mensch dazu sich als anständiges und kluges Wesen zu sehen.

Selbst wenn man dazu angewiesen wird, bleibt das verabreichen von Elektroschocks moralisch höchst bedenklich und widerspricht dem Bild des “braven Bürgers”.

Dieser Widerspruch führt zu einer unangenehmen inneren Spannung - Dissonanz, die den eigentlichen Prozess in Gang setzt.

Unbewusst wird nach einer Legitimation dafür gesucht, es kann ja nicht sein, dass man als anständige Person einem anderen anständigen Menschen grundlos schadet.

Welche Möglichkeiten gibt es hier?

Entweder,

  1. man überzeugt sich selbst davon, dass man ein fieser Mensch ist und dann macht man das eben so,
  2. man überzeugt sich davon, dass das was man tut gar nicht so schlimm ist,
  3. man überzeugt sich selbst davon, dass der andere ein schlechter Mensch ist und es verdient hat so behandelt zu werden.

Wir haben ja schonmal gelernt, dass Möglichkeit 1 eigentlich keine ist, weil Sie mit einer Reihe von weiteren Dissonanzen einhergehen würde.

Möglichkeit 2 ist in dem Experiment mit den Elektroschocks auch keine wirkliche Alternative - wie soll man die Tat an sich herunterspielen? Sich einreden Stromschläge tun nicht weh oder der Typ ist bestimmt ein Masochist und steht auf sowas? Wohl eher nicht..

So wie es aussieht blieb in diesem Falle nur die Abwertung des Opfers übrig. Auffällig war dabei, dass die Abwertung mit dem Selbstwertgefühl der Probanden positiv korreliert war d.h. je höher der Selbstwert, desto mehr wurde das Opfer nieder gemacht. Oder wie der Meister sagt:

“Man betrachte die Ironie: Gerade weil ich mich für einen so netten Menschen halte, muß ich mich, wenn ich Ihnen Schmerzen zufüge, davon überzeugen, daß sie ein Schuft sind. Anders gesagt, weil so nette Menschn wie ich nicht irgendwelchen unschuldigen Menschen weh tun, müssen sie alle Gemeinheiten verdiehnt haben, die ich Ihnen zugefügt habe.” (Aronson 1994, S. 227)

Aronson selbst vermutet, dass dieses Phänomen auch bei Soldaten , dieim Krieg mit zivilen Opfern konfrontiert werden eine Rolle spielt.

Im Anschluss an den Vietnam-Krieg sagten die Psychiater von Leutnant Calley vor dem Kriegsgericht aus, er habe

“das vietnamesische Volk mehr und mehr als Untermenschen betrachtet” (ebd. S.228)

Natürlich kann es tausende andere Gründe dafür gegeben haben, aber ich denke der vorgestellte Mechanismus liefert eine Plausible These dafür wie es dazu gekommen sein könnte.

Das gefährliche daran ist, dass wenn man erstmal anfängt eine bestimmte Gruppe von Menschen per se abzuwerten, sich über sie lustig zu machen und sie nicht mehr als Menschen zu sehen, dass gleichzeitig die Hemmschwelle sinkt Ihnen etwas “anzutun”.

 

Und da wären wir wieder bei den Beamten (wobei ich hier besser noch einmal ausdrücklich betonen möchte das es hier um den Mechanismus geht, bevor jemand auf die Idee kommt mich abzumahnen weil ich Ihn mit Kriegsverbrechern verglichen habe…)

 

Das hier die Hemmschwelle mittlerweile schon sehr niedrig sein muss, erscheint mir obsolet. Vielleicht sollte denen mal jemand die Brille aufsetzen, damit die mal wieder klar sehen und nicht vor lauter Selbstreferentialität, weiterhin der Meinung sind “nix böses zu tun” - denn wir sind ja alle anständige Menschen…

Quelle: Aronson, E. (1994),Sozialpsychologie: menschliches Verhalten und gesellschaftlicher Einfluß, Heidelberg [u.a.].

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23rd October 2007

Traumdeutung

Es ist gerade mal 5 Uhr morgens, ich habe eine unruhige Nacht voller Albträume hinter mir und fühl mich total gerädert.

Die Szenarien die mein Kopf im Schlaf projiziert sind leider jedesmal zu authentisch und haben zuviel Bezug zur Realität und/oder Vergangenheit, dass ich nicht so einfach drüber hinweg gehen kann.

Solche Träume tun weh, reissen alte Wunden auf und lösen innere Unruhe aus. Warum kommt das alles gerade jetzt wieder hoch?

Ich glaube an Traumdeutung , nicht in dem Sinne von “Gurke = Wunsch nach Sex”, sondern die individuelle Ableitung der grundlegenden Motive.

Der Mensch tendiert dazu bestimmten Angelegenheiten in seinem Leben zu verdrängen.

Diese selektive Wahrnehmung kann sinnvoll sein, wenn einem dadurch unnötige Schmerzen erspart bleiben oder man noch nicht bereit ist ein Ereignis zu verarbeiten.

Das Schwierige daran ist, den Zeitpunkt abzupassen an dem diese verzerrte Wahrnehmung dazu führt, dass man Entscheidungen trifft, deren nachteilige Konsequenzen, die Vorteile kompensieren und man im Endeffekt schlechter da steht als wenn man sich der Realität gestellt hätte.

Genau an dieser Stelle setzten meistens die Träume ein, quasi als Zeichen des Unterbewusstseins dafür, dass was faul ist im Staate Dänemark.

 

Was genau muss aber jeder für sich selbst herausfinden…

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31st August 2007

Ökonomische Betrachtung menschlichen Verhaltens

Im Studium habe ich VWL nicht sonderlich gemocht, bis ich auf eine Spielart gestoßen wurde, die in meinen Augen so obskur wie interessant ist.

“Die Ökonomie des menschlichen Verhaltens” von Gary S.Becker hat mich regelrecht in ihren Bann gezogen, denn plötzlich bekamen die verwirrenden Formelberge einen ungeahnten Realitätsbezug.

Grundprinzip des neoklassischen Paradigmas ist eigennütziges und rationales Verhalten, d.h. Nutzenmaximierung auf Basis der persönlichen Präferenzen und unter Beachtung der bestehenden Restriktionen.

Gary Beckers Individuum hatte mit dem Zerrbild des neoklassischen homo oeconomicus, dem emotionslosen, sozial isolierten, blitzschnell kalkulierenden, vollständig informierten und stetig maximierenden Egoisten nicht mehr viel zu tun
Beispielsweise zählte er zu den Restriktionen nicht mehr nur das verfügbare Einkommen und die Güterpreise , sondern auch „Opportunitätskosten“ sowie moralische, soziale und rechtliche Regelungen, die den Handlungsspielraum des Individuums einschränken.
Des Weiteren wurde „rational“ in dem modernen Kontext interpretiert als Auswahl der Alternative, die innerhalb einer bekannten Auswahl und unter Beachtung der Situation, den relativen höchsten Nutzen hat.

Auf Basis dieser generalisierten ökonomischen Perspektive, hat Becker eine Vielzahl von Themen analysiert, die bis dato der Ökonomie nicht zugänglich erschienen.
Von Diskriminierung, Fertilität, dem Verhältnis zwischen Eltern und Kindern über Kriminalität bis hin zur Auswahl des Ehepartners, wurde das menschliche Verhalten in Formeln gegossen.Bild via pixelio/Claudia Hautumm

Was sich zunächst abstrakt anhört, wird bei der Lektüre erstaunlich schnell greifbar, denn man ertappt sich immer wieder selbst.

 

Ein ganz einfaches Beispiel - die Überlegung - kaufe ich mir einen Fahrschein oder nicht?

 

Einerseits wären da die monetären Kosten:

 

in Hamburg- Preis der HVV Karte (x)

und Geldstrafe fürs Schwarzfahren (g) .

 

 

Andererseits immateriellen Kosten z.B.

 

Angst während der Fahrt (a),

Schamgefühl wenn man erwischt wird (s)

Ärger wieder umsonst gezahlt zu haben (u)

 

 

Die Gesamtkostenrechnung wäre demnach

 

y = HVV Karte(x) + Ärger(u)*(1-p) - [ Angst(a) + (Geldstrafe (g) + Scham(s)) *p]

 

 

wobei p die subjektive Wahrscheinlichkeit ist erwischt zu werden und 1-p entsprechend jene nicht erwischt zu werden.

 

Menschen, die einigermaßen rational denken können kaufen eine Fahrkarte, sobald das Ergebniss dieser Formel negativ wird.

Füllen wir diese Formeln einmal mit Leben.

Die HVV Karte lassen wir in weiser Voraussicht mal x=2 kosten und die Strafe g=40.

Lisa ist immer äusserst korrekt und ängstlich mit a = s=20 und u=5, dazu schätzt sie die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden mit p= 0,5 ein.

 

y= 2 + 2,5 - [20 +((40 + 20)0,5) ]

y= - 45,5

Negative Zahl, bedeutet Lisa kauft sich eine Karte, weil sie das subjektive Risiko “teuerer” einschätzt als den Kauf einer Karte.

 

Lara dagegen ist relativ schmerzbefreit und immer knapp bei Kasse, also a=s=1, u=40 und p=0,2.

 

y= 2 + 8 -[1 + ((40+1)0,2)]

y= 0,8

Subjektiv “lohnt” sich demnach das Schwarzfahren für Lara.

 

Was will uns nun diese Werbesendung kleine Rechnung sagen?

 

 

 

 

 

Ähm ja gute Frage -selbst wenn man bedenkt, dass dieses Beispiel von einer Vielzahl von Faktoren abstrahiert, so kann man trotzdem das Grundprinzip erkennen.

Beispielsweise erhöht bei Menschen wie Lara theoretisch eine Preiserhöhung die Wahrscheinlichkeit des Schwarzfahrens, während eine Erhöhung der Geldbuße nur geringe Auswirkungen hat, solange die subjektive Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden gleich bleibend ist.

Dieses Beispiel ist zugegebenerweise ziemlich trivial, für diejenigen, die es interessiert hätte ich hier beispielsweise noch eine meiner Seminararbeiten zum Thema - unromantische Betrachtung von Eheverträgen, die erklärt wie man sich ausrechnen kann ob es sinnvoll ist einen Ehevertrag zu schliessen, wenn ja welchen und wie diese Entscheidung die Frau hinsichtlich Kind und Karriere beeinflusst bzw wie der Mann die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann seinen Willen zu bekommen ;)

Sehr interessant ist übrigens auch immer wieder der blog von Herrn Becker und seinem Kollegen Herr Posner

 

Quellen

Becker, Gary S. (1993), Der ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens, J.C.B. Mohr ( Paul Siebeck) Tübingen

Becker, Gary S. (1996): Familie, Gesellschaft und Politik – die ökonomische Perspektive, Tübingen, Mohr.

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24th August 2007

Die Ideotie der Masse - Mügeln feat. Social Support-Paradigma

Allein die Tatsache, das Menschen von einer grölenden Menge durch die Stadt gejagt werden, ist vollkommen unabhängig von Hautfarbe, Staatsbürgerschaft und Religion, schlichtweg ein Zeichen dafür wie rückständig und beschränkt die involvierten Gemüter sind.

Der Fall Mügeln hat mich erschrocken, nicht nur als Fall von strunzdummer, rechter Gewalt, sondern mehr aufgrund der Reaktion der Einwohner, sowohl in der besagte Nacht, als auch im nachhinein.
Die Verleumdung rechter Tendenzen, das Abwiegeln, die “mein Name ist Hase” Reaktionen - ist es nur die Angst selbst Opfer zu werden oder in der Gemeinde an Ansehen zu verlieren?

Über die Frage -ob Nazis absolut daneben sind oder nicht müssen wir hier nicht mehr diskutieren, das Verhalten des sogenannten “Dorfpöbels” soll hier der Schwerpunkt sein.

Dafür nehme ich Euch mal wieder auf einen kleinen Exkurs mit - das Social Support Paradigma, durch Leon Festinger beim Namen genannt, liefert eine sehr schöne Erklärung für Massenphänomene.

Das „social support“-Paradigma

Festinger (1978) postuliert, dass zwischenmenschliche Interaktion untrennbar mit den Mechanismen der kognitiven Dissonanz verbunden ist (S. 177ff.).

Diese Annahme wird mit der Tatsache begründet, dass individuelles Verhalten durch interpersonelle Interaktion und Kommunikation beeinflusst wird. Der Austausch dissonanter und/oder konsonanter Einstellungen und Informationen, kann dabei Dissonanz initiieren, verstärken oder reduzieren.

Beispielsweise erlebt ein Individuum Dissonanz wenn ein anderes Gruppenmitglied einen der eigenen Meinung widersprechenden Standpunkt vertritt.
Die Stärke der Dissonanz, aufgrund einer Meinungsverschiedenheit im sozialen Kontext, ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Neben der Menge der kognitiven Elemente, die mit der eigenen Meinung verbunden
sind, müssen auch die Kognitionen, die durch die Interaktion mit der sozialen Gruppe relevant werden, in die Betrachtung einbezogen werden.
Dabei ist die Menge der dissonanten Elemente, die die eigene Meinung betreffen, determiniert von der Wichtigkeit der dissonanten Kognitionen, der Möglichkeit die eigene Meinung objektiv zu bestätigen und von der Anzahl der konsonanten Beziehungen der betrachteten Meinung zu dem kognitiven Gesamtsystem.
Die Menge der dissonanten Kognitionen aus dem sozialen Kontext wird bestimmt durch die Anzahl von Individuen innerhalb der Gruppe, die der eigenen Meinung widersprechen, von der Relevanz und der Attraktivität, die das Individuum dem Meinungsgegner und der Gruppe beimisst und von
dem Grad der Meinungsverschiedenheit.
Dissonanzreduktion basiert auch im Falle der Dissonanz aufgrund sozialer Prozesse auf den bekannten Reduktionsmechanismen, der Addition von konsonanten, der Subtraktion von dissonanten oder der Substitution dissonanter durch konsonante Kognitionen.
Soziale Interaktion ist immer mit einem Austausch von Informationen verbunden. Durch ein Gespräch mit Individuen, die die eigene Meinung teilen, kann der Anteil konsonanter Kognitionen erhöht werden, während
Individuen mit konträrer Meinung, die Dissonanz noch verstärken.

Analog zum Mechanismus der selektiven Informationsaufnahme (vgl. hier und hier), kann deshalb unterstellt werden, dass eine Auswahl der Interaktionspartner, zwecks Dissonanzreduktion, stattfindet. (Die Beteiligten bleiben unter sich, bestärken sich gegenseitig)
Des Weiteren kann das Individuum seine Meinung zugunsten der Gegenposition ändern oder umgekehrt versuchen das widersprechende Individuum von der eigenen Meinung zu überzeugen (Darstellung gegenüber der Presse).
Eine weitere Möglichkeit besteht darin die andere Person abzuwerten oder von sich selbst zu differenzieren, indem entweder Reliabilität und Kompetenz der Person selbst angezweifelt werden oder ein anderer sach- und
fachlicher Hintergrund unterstellt wird. (Z.B. die Unterstellung, dass die Inder angefangen haben)
Festinger selbst hat in Untersuchungen nachgewiesen, dass Dissonanzreduktion innerhalb von stabilen Gruppen dazu führt, dass die Meinungen innerhalb der Gruppe angeglichen werden.
Massenphänomene werden demnach durch eine kollektive Dissonanzreduktion erklärt. Stehen beispielsweise viele Menschen, bei denen eine verbreitete Überzeugung widerlegt wurde, in Kontakt, dann führt die daraus resultierende Dissonanz nicht zu einer Aufgabe der Überzeugung, sondern zu einer Verfestigung dieser.

Versuchen die Mitglieder so einer Gruppe zusätzlich außenstehende Personen von Ihrer
Meinung zu überzeugen, dann kann dieser Mechanismus einen
Erklärungsansatz für das, was in Mügeln gerade passiert darstellen, aber auch für religiöse Bewegungen eine Erklärung liefern . (vgl. ausführlich Festinger, 1978, S. 228-252)

Quelle: Festinger, Leon (1978): Theorie der kognitiven Dissonanz, Bern [u.a.].

Abschließend schick ich Euch jetzt noch rüber zum pantoffelpunk, bei dem Dieter Petereit einen sehr schönen Artikel über die potentiellen Betrachtungsweisen der Sachlage und den damit verbundenen Konsequenzen verfasst hat.

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18th August 2007

Selbstreferentialität - warum sich die Katze in den Schwanz beisst

Der Begriff “Selbstreferentialität” ist zur Zeit in aller Munde und teilweise frage ich mich ob diejenigen, die den Begriff nutzen überhaupt wissen, welche Bedeutung dieser über die Definition bei Wikipedia hinaus hat.

 

Selbstreferentielles Programmieren

 

Selbstreferentialität bezeichnet nicht nur den Selbstbezug, sondern umschreibt auch ein Wahrnehmungsphänomen, das damit einhergeht.

Dieser psychologische Aspekt ist meiner Meinung der springende Punkt, zumal er Auslöser und Verstärker gleichzeitig sein kann und folglich das “im Kreis denken” erst ermöglicht.

Der Mensch an sich ist in der Regel nicht objektiv und das aus einem ganze einfachen Grunde.

Sämtliche kognitiven Eindrücke werden subjektiv verarbeitet, d.h. man gleich die neue Information mit den bereits vorhandenen Strukturen ab und ordnet sie entsprechend ein.

Man selbst bezieht sich schon im Prozess der Wahrnehmung auf das eigene kognitive System und verleiht dem bestrachteten Sachverhalt so eine gedankliche Tendenz.

Jede neue, in eine bestimmte Richtung interpretierte Kognition verbreitert dementsprechend die Basis, auf der nachfolgende Gedanken wiederum genau in diese Schublade gesteckt werden können.

An dieser Stelle beginnt die Katze sich in den Schwanz zu beissen, denn mit diesem Phänomen gehen auch unbewusste kognitive Grenzen einher.

Man kann nicht “mal eben so” von seinem Standpunkt weg, sondern müsste sich bewusst mit den eigenen Gedanken auseinandersetzen, das referentielle durch reflexives Denken substituieren.

Dafür wiederum müsste man sich erstmal darüber im klaren sein, das man in einer selbst referentiellen Denkspirale steckt, was aber aufgrund eben jener umso schwieriger wird, je tiefer man schon drinsteckt.

Ich denke fast jeder kennt dieses Phänomen von sich selbst, aber auch von Personen, die einem Tag täglich begegnen.

Da wird man aufgrund einer Äußerung, eines bestimmten Kleidungsstückes, des Wohnortes oder sonst eines Kriteriums in eine bestimmt Schublade gesteckt und kommt dort auch so schnell nicht wieder raus, weil alles was man im Anschluss daran sagt und tut so hininterpretiert wird, das es zu dem angehängten Profil passt.

Wenn man sich über diesen Prozess bewusst ist, dann ist man in der Lage diesen Kreislauf einzugrenzen (ganz durchbrechen ist meiner Meinung nach unmöglich weil die gesamte Weltansicht ja doch immer irgendwie subjektiv ist) und  dadurch vielleicht ganz neue Züge an einem Menschen oder einer Sache zu entdecken.

Der psychologisch interessierte Leser erkennt an dieser Stelle vielleicht die Parallelen zur kognitiven Dissonanz und speziell der selektiven Wahrnehmung und auf Hinweise dafür, welche Möglichkeiten es gibt, Menschen die nur sehen was sie sehen wollen, mal ein bisschen in die “richtige” Richtung zu stubsen, sei dahin verwiesen.

Quelle

 

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13th August 2007

Eiscreme besser als Sex ?

Eine nicht ganz so triviale Frage wie ich finde.

Wie ich darauf komme?

Ich habe mir letzte Woche mal wieder einen Becher Ben & Jerry’ s New York Super Fudge Chunk gekauft.

 

Oh wie lecker

 

Mit knapp 6€ für 500ml sündhaft teuer und sicherlich auch nicht sonderlich gesundheitsfördernd aber zum “dahin schmelzen” lecker.

Im zugehörigen Kuhl-Club kann man ein Zitat von BBC London nachlesen, das die Eiscreme wie folgt bewertet:

“If Häagen-Dazs is the ice cream you have after sex, Ben & Jerry’s is the ice cream you have instead of sex”

Da frage ich mich doch glatt stimmt das? Kann Eiscreme die gleichen Rezeptoren im Gehirn zufriedenstellen wie Sex?

Schon nach wenig Recherche deutet einiges darauf hin, dass zumindest Eis mit so viel Schokolade wie in meinem Becher hier (weiße, schwarze und hellbraune Schokoladenstücke), diesen Zweck aus hormoneller Perspektive durchaus erfüllt.

Beim Genuss von Schokolade regen die darin enthaltenen Phenylethylamine die Ausschüttung von Endorphinen an und sorgen so dafür, dass ein lang anhaltendes Glücksgefühl entsteht.

Einige Wissenschaftler sind sogar der Ansicht, dass es nicht irgendein Glücksgefühl ist, sondern das “romantische Liebesgefühl“, dass Frischverliebte spüren.

Darüber hinaus wirkt Phenylethylamin in einer Beziehung bindend, eine Eigenschaft, die ebenso das Hormon Oxytocin charakterisiert, welches beim Orgasmus ausgeschüttet wird.

Evident ist allerdings, dass Schokolade oder Eis nicht streicheln, liebkosen und küssen kann (oder hab ich irgendwas verpasst? )

Fazit dieses kleinen Exkurses - die hormonelle Wirkung ist das, das zwischenmenschliche nicht.

Die Frage ob Sex nun tatsächlich durch Schokolade substituiert werden kan muss jeder für sich selbst beantworten - oder man denkt für den doppelten Effekt einfach mal über die Alternative nach, das Gegenüber mit Schokolade einzupinseln ;)

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20th July 2007

Von der Theorie zur Praxis

Eine sehr schöne praktische Übersetzung der hier bereits ausführlich theoretisch behandelten Thematik “Schäuble meets Dissonanztheorie” hat der  pantoffelpunk da auf den Weg gebracht.

Teilaufgabe C der Psychologieklausur mit 15 Punkten bestanden ;) 

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16th July 2007

Kognitive Dissonanz oder warum Schäuble nicht anders kann

Manchmal frage ich mich ob unser Herr Dr. Schäuble das was er sagt wirklich so meint.
Wie soll man bitte jemandem ernst nehmen, der jede Woche neuen Schwachsinn von sich gibt, der es für notwendig hält Menschen zu katalogisieren, ihnen die Privatsphäre zu nehmen und wenn nötig auch vorsorglich abzuknallen?
Zuerst habe ich das ganze mit einem leicht amüsierten Kopfschütteln hingenommen - soll er sich doch zum Arsch Depp der Nation machen, wenn er das braucht. (In meiner jugendlichen Naivität glaube ich nämlich noch immer daran, dass es nicht zu einem so gravierenden Eingriff in die Grundrechte kommen wird- irgendwas müssen die doch aus der Sache mit Hitler gelernt haben..)

Aber nachdem ich die Situation heute mit einem Psychologen diskutiert habe, mache ich mir doch ein bisschen Sorgen und bin noch ein Stück mehr davon überzeugt, dass Aktionen wie

Danke an Jens  http://www.jensscholz.com/2007/07/ein-grundgesetz-fr-schuble.htm

nicht nur richtig sondern auch wichtig sind.

Schnell war ich mir mit dem Herren vom Fach einig darüber, das die Wahrnehmung von Herrn Schäuble an der Realität vorbei geht - sonst würde er die offensichtliche Verfassungswidrigkeit seiner Forderungen nicht mit einem mit einem verbissenen festklammern an selbigen kombinieren. (Ich meine hier nicht nur die gezielten Tötung, die er nach eigener Aussage ja nie als Alternative gemeint hat)

Man machte mich auf die posttraumatische Psychodynamik aufmerksam aber ich denke nicht, dass man alles immer darauf zurückführen kann, dass er selbst Opfer eines Attentats geworden ist.

Was ich persönlich sehe ist kognitive Dissonanz in Reinform und auf diese Alternative konnten wir uns dann auch einigen.

Da ich mit diesem Begriff schon des Öfteren um mich geworfen habe ohne ihn zu erklären, wird das heute nachgeholt.
Ich werde nun einen kleinen psychologischen Exkurs veranstalten und abschließend skizzieren warum Aktionen wie “Grundgesetz für Schäuble” so wichtig sind.

Die zentrale Hypothese der Theorie ist, dass der Mensch nach kognitiver Konsistenz strebt, einem Zustand in dem das Wissen, das Verhalten und die Einstellung eines Individuums in sich widerspruchsfrei und konsistent sind.
Eine Abweichung von diesem Gleichgewicht führt zu Dissonanz, einer psychologisch unangenehmen Spannung, die das Individuum dazu motiviert, selbige zu reduzieren. Die Begriffe „Kognitionen“ bzw. „kognitive Elemente“ werden im Folgenden synonym verwendet und in Anlehnung an Festinger als „…irgendwelche Kenntnisse, Meinungen, Wertevorstellungen, Einstellungen oder Überzeugungen über die Umwelt, von sich selbst oder von dem eigenen Verhalten“ umschrieben.
Die Gesamtheit der kognitiven Elemente beschreibt die subjektive Realität, also Selbst- und Weltbild des Individuums. Folglich ist das Verhalten und Denken eines Individuums nicht mehr die direkte Reaktion auf die objektive Umwelt, sondern viel mehr eine Reaktion auf die subjektive Interpretation dieser, die unter Beachtung vorheriger Erfahrungen und bestehender Wertmaßstäbe und Erwartungen gebildet wird.
Das Auftreten von Dissonanz motiviert das Individuum zu Verhaltensweisen, die sowohl auf Dissonanzreduktion als auch auf die aktive Vermeidung von Dissonanz verstärkenden Informationen gerichtet sind. Die Intensität dieses Verhaltens ist dabei positiv mit der Stärke der Dissonanz korreliert. Um Dissonanz zu reduzieren, müssen die kognitiven Elemente harmonisiert werden; d.h. der Anteil der konsonanten Kognitionen muss höher sein als die der negativen Kognitionen.
Dissonanzreduktion ist dabei auf 3 Weisen möglich.
1. Veränderung des eigenen Verhaltens
2. Veränderung externer Faktoren wie der Situation oder der
Vorraussetzungen
3. Bestätigung der eigenen Meinung durch
-Hinzufügung neuer, konsonanter Kognitionen
-Abwertung der dissonanten kognitiven Elemente.

Darüber hinaus tendiert der Mensch dazu Dissonanz durch selektive Informationsaufnahme zu vermeiden oder zu mildern. D.h. Informationen die die eigene Meinung bestärken werden aufgewertet und sogar aktiv gesucht, während widersprechende Informationen ignoriert, abgewertet oder relativiert werden.

Im Bezug auf den Situation von Herrn Schäuble sind noch zwei Präzisierungen der Ursprungstheorie von Bedeutung
(hier und im Folgenden Abschnitt vgl. Frey/Irle 2001a, S. 278f.)

Brehm und Cohen stellten die Hypothese auf, dass ein Widerspruch zwischen zwei wichtigen Kognitionen einer Person zwar notwendig, aber nicht hinreichend für das Auftreten von Dissonanz ist. Deshalb führten sie zwei weitere notwendige Bedingungen ein: „commitment“ (Selbstverpflichtung) und „volition“ (Entscheidungsfreiheit).

Der Begriff „commitment“ bedeutet dabei, dass eine Person sich intern wie extern fest zu einer Entscheidung bekennt und damit einen derartig hohen Änderungswiderstand schafft, dass diese Entscheidung, wenn überhaupt, nur sehr schwer revidiert werden kann.

Dieser Aspekt wird durch Elliott Aronson noch dahingehend konkretisiert, dass er die These aufstellt, dass nur solche Kognitionen Dissonanz hervorrufen, die dem Selbstbild der Person widersprechen.
Dabei ist das Selbstbild in erster Linie positiv; d.h. der Mensch sieht sich als kluge, nette Person und solange alle Kognitionen mit diesem Selbstbild im Einklang sind, herrscht ein optimales Gleichgewicht. Kommt es zum Widerspruch, setzen die Mechanismen zur Dissonanzreduktion ein, um wieder zurück in das Gleichgewicht zu kommen. Dissonanzreduktion ist damit als eine Art Selbstrechtfertigung zu interpretieren.

Verfolgt man diesen Gedanken, wird deutlich, warum die Bedingung des „commitment“ eine bedeutende Rolle spielt: Entscheidet und bekennt sich ein Individuum für eine Alternative, dann würde eine spätere Revision der Entscheidung bedeuten, dass es einen Fehler gemacht und damit nicht kompetent gehandelt hat.
Diese Erkenntnis wiederum führt zu einem Konflikt mit dem positiven Selbstbild. Da eine Änderung des Selbstbildes mit einer Reihe von weiteren Dissonanzen einhergehen würde, bekommt die Entscheidung selbst einen hohen Änderungswiderstand, der dazu führt, dass eine andere Kognition geändert werden muss.

Quellen
Festinger,Leon, Theorie der kognitiven Dissonanz. Bern 1978: Verlag Hans Huber
Frey, Dieter / Irle,Martin (2001a), Theorien der Sozialpsychologie, Band I: Kognitive Theorien, 2., vollst. überarb. und erw. Aufl., Bern.
Aronson, E. (1994),Sozialpsychologie: menschliches Verhalten und gesellschaftlicher Einfluß, Heidelberg [u.a.].
Wikipedia

Aber was hat diese Theorie nun mit Herrn Schäuble zu tun? Betrachten wir mal die Diskussion um die Grundgesetzänderung, angefangen bei der Forderung nach dem Bundestrojaner.

Herr Schäuble hat sich dazu entschieden dieses Vorhaben publik zu machen und damit auch eine Änderung des Grundgesetzes zu fordern.
Gemäß der Theorie, könnte nun unterstellt werden, dass das folgende Verhalten auf eine subjektive Validierung dieser Entscheidung hinausläuft.

Im Hinblick auf den Aspekt des „commitments“ wäre verständlich, warum Herr Schäuble quasi ohne Rücksicht auf Ruf und Parteifrieden, an seinen Ideen festhält und kontinuierlich neue Ideen hat warum und wie man das Grundgesetz ändern müsste..
Herr Schäuble hat seinen Vorschlag nicht in einem stillen Kämmerlein abgegeben sondern sich vor der breiten Öffentlichkeit dazu bekannt. Eine Abkehr von der Forderung wäre damit auch das Eingeständniss einer persönlichen Niederlage.
Kein gutes Gefühl, also muss etwas getan werden.

Die Strategie der Bestätigung der eigenen Meinung wird meiner Ansicht nach am aktivsten praktiziert.
Neue, konsonante Kognitionen werden durch alle Aussagen, die die ursprüngliche forderung, als positiv oder notwendig darstellen, hinzugefügt.

D.h. jede neue Forderung die ebenfalls eine Änderung des Grundgesetzes voraussetzt, und alle Argumente, die eine solche Änderung legitimieren, wirken bestärkend.

Dissonante Element wie die Kritik die Herrn Schäuble auf breiter Front entgegenschlägt wird dabei durch Abwertung relativiert - z.B.

Schäuble wies Vorwürfe zurück, er habe sich mit diesen Äußerungen gegen das Grundgesetz gestellt. “Offenbar provoziert man Aufregung, allein wenn man Fragen stellt, die in der wissenschaftlich seriösen, internationalen Debatte natürlich diskutiert werden”, sagte der Minister.
“Diese Reaktion quer durch die Medien und durch große Teile der politischen Klasse ist eigentlich ein Unding.”

Ich hoffe mit diesem kleinen Exkurs nicht für völlige Verwirrung gesorgt zu haben – die Quintessenz des Ganzen ist – um Herrn Schäuble zum umdenken zu bewegen ist „dissonanzerzeugender“ Widerspruch auf der ganzen Linie notwendig.

Mit der Blog-Aktion können wir dementsprechend einen kleinen Teil dazu beitragen. Jedes Grundgesetzt das bei Ihm eintrifft könnte man übertrieben als kleinen Schubs in Richtung Objektivität bezeichnen, denn es ist wieder ein Element mehr, das Dissonanz erzeugt.
In diesem Sinne - lasst die Macht der Bücher sprechen.

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