31st July 2008

Warum sind so wenig Frauen auf barcamps ?

posted in Aktivismus, Herdentier, nur so |

Ich denke das ist die Frage die man sich stellen sollte wenn man sieht das es mittlerweile ein doch sehr zahlreiches Internetangebot für Frauen gibt und ausserdem deutlich mehr Frauen in Social Networks unterwegs sind als Männer.

Letzteres ergab eine Studie in den grossen, amerikanischen Netzwerken*, das Gesamtergebnis ist für Damen und Herren ab 14 Jahren visualisiert.

Quelle: Eigene Darstellung auf Basis dieser Studie

Was auffällt ist, dass insbesondere bei 14 bis 34 Jährigen die Anzahl der Frauen, die sich online tummeln, deutlich über der, der Männern liegt - genau die grösste AltersGruppe, die auf barcamps vertreten ist (Quelle: eigene Beobachtung auf ca 8 Camps)

Die Frage ist nun, warum sind Frauen auf barcamps immernoch so drastisch in der Unterzahl, obwohl ein barcamp IMHO nur eine offline Manifestation des grossen Social Networks “web2.0″ ist?

Es gibt eine Reihe von Gründen, die von meinen Geschlechtsgenossinnen als Ursache angesehen werden könnten - aber müssen das Gründe sein?

Schauen wir uns das doch einmal genauer an.

Liegt es an den Themen?

Diese These könnte man vielleicht in Erwägung ziehen, wenn auf barcamps generell nur über hochtechnische Themen referiert werden würden. Das ist aber definitiv nicht so.
Natürlich ist Technik dabei aber es sind ebenso eine Reihe von Themen aus Marketing & PR (übrigens auch eine frauenlastige Branche) Design und Onlinewelten, sowie völlig netzfremde Themen wie z.B. „der perfekte Espresso“ , „was macht gutes chinesisches Essen aus“ oder „wie kann ich meinen Alltag besser organisieren“.

Hier also ein - NEIN das sollte kein Grund sein

Liegt es an den anwesenden Männern?

Mein erstes richtiges barcamp war das barcampberlin2 im letzen Jahr und ich habe mich keine Sekunde zwischen der Überzahl an Männern unwohl gefühlt – im Gegenteil. Wirklich jeder kam offen und feundlich auf mich zu, ich habe keine dummen Sprüche erlebt, auch nicht wenn ich technische Fragen gestellt habe und bis heute habe ich auch keine deplazierte Anmache erlebt und auch von keiner anderen Frau gehört das so was jemals passiert ist.
Unterstellt man der Frau eine Jagdintention bei dem Besuch von Netzwerkveranstaltungen, so kann man auch hier keinen Grund finden warum sie nicht kommen sollte – wo sonst gibt es so viele offene und sympathische Männer bei so wenig Konkurrenz? Und nein der Mythos vom Nerd stimmt hier nicht, es laufen nicht nur ungepflegte Typen rum, sondern durchaus hübsche Exemplare der Spezies Mann, ja das kann man so sagen ;)

Hier also auch – NEIN das muss kein Grund sein

Liegt es daran, dass Frauen von barcamps nichts mitbekommen?

Kommen wir an dieser Stelle doch noch einmal auf die Eingangsfeststellung zurück – Frauen sind online aktiv - zähle dazu - barcamps werden online aktiv beworben - wo ist also das Problem?
Ich persönlich bin zum ersten Mal in einem blog über das Wort barcamp gestolpert und war dann neugierig, habe ein wenig recherchiert und bei der nächsten Gelegenheit einfach mal gefragt.
Wenn man Online ein wenig aktiver ist, hat man meiner Meinung nach gar keine Chance nicht irgendwann über ein Kommentar zu stolpern, dass auf ein barcamp hinweist. In facebook, Xing und StudiVZ gibt es Gruppen zu barcamps und auf jeder Eventplattform da draussen sind die barcamps eingetragen.
Trotzdem könnte Frau darüber hinweglesen, denn wenn man nicht weiß das etwas sehr interessant ist, übersieht man es schnell einmal.

Hier also ein – könnte sein, muss aber nicht

Kommen Frauen mit der Anmeldung zu den barcamps nicht klar?

Ich gestehe, bei der Anmeldung zum barcampberlin2 war ich noch zu dusselig das Prinzip zu 100% zu verstehen und habe nach der erfolgreichen Anmeldung bei mixxt (ha gar nicht weh getan ;) ) , schlichtweg vergessen mich im Wiki zu registrieren (Anfängerfehler).
Mittlerweile gibt es aber die Eventfunktion und mit einem Klick steht man auf der Liste – das kann selbst meine kleine Schwester. Ausserdem ist auf der Startseite von jedem bar- und Themencamp, dass ich bei mixxt gesehen habe ein kleiner Erklärungstext zu der Anmeldung dabei – sicher ist sicher.
Die Anmeldung bei mixxt selbst ist meines Erachtens auch völlig simpel – ein Formular ausfüllen, Bestätigungslink in der Mail anklicken, auf Netzwerk beitreten klicken und fertig.
Ich muss jedoch gestehen, das ich gerade bei dem Frauenbarcamp, dass auf groops läuft deutlich mehr Probleme hatte – vielleicht ein Grund für die niedrige Teilnehmerinnenanzahl?

Hier also ein – für mixxt kann ich sagen – daran liegt es nicht.

Sind Frauen zu langsam?

Ok, ich kann mich noch an Zeiten erinnern, das waren die Plätze für ein barcamp ratzfatz weg. Heute allerdings hat sich die Lage deutlich entspannt. Ausserdem habe ich schon des öfteren gesehen, dass am letzten Tag die Teilnehmeranzahl so hochgestuft wurde, dass alle, die auf der Warteliste standen mit auf die Teilnehmerliste gekommen sind.
Was ich damals noch nicht wusste, es wurde noch keiner weggeschickt – trotzdem sollt man sich der Höflichkeit halber anmelden (und abmelden wenn man es nicht schafft)

Hier also ein – kann ich mir heute nicht mehr vorstellen.

Liegt es an Desinteresse?

Viele Frauen, denen ich von dem barcamp-Prinzip erzähle sind sehr angetan davon und einie habe ich im Anschluss an das Gespräch auch dort getroffen (und auf den nächsten, das Suchtpotential ist nunmal unbestreitbar ;) ).
Bei Interesse und Desinteresse konnte ich bisher zwischen den Geschlechtern keine Unterschiede feststellen, der einzige Unterschied bestand darin, das Männer häufiger Fragen ob es dort Cocktails gibt oder ob hübsche Frauen da sind, während Frauen sehr viel über die Atmosphäre und die Menschen die dort sind fragen.
Und ach ja – es war ein Mann, der mir in meiner letzten Geburtstagskarte weiterhin viel Spaß auf den Internet-darkrooms wünschte und dabei barcamps meinte.. ja ich weiß ich habe ein paar Klischeetypen im Bekanntenkreis.

Hier also ein – könnte sein

Liegt es daran das die barcamps in immer unterschiedlichen Städten stattfinden?

Darauf gibt es weder eine generelle noch eine gender-spezifische Antwort. Ich hab sehr viel Spaß an dem rumreisen, daran neue Gesichter und Geschichten kennenzulernen – mir bringt es spaß, aber ich kenne genaus Männer und Frauen die wenn überhaupt nur barcamps besuchen, die vor der Tür stattfinden.

Hier also ein – kann sein

Muss Mama zuhause bleiben und auf Kind und Kegel aufpassen, während Papa beim barcamp ist?

Nein, weil es meistens Kinderbetreuung gibt, oder zumindest im Vorfeld gefragt wird, ob welche benötigt wird.

Hier also klar – Nein, dass muss kein Grund sein.

Also Ladies, wie Ihr seht gibt es eigentlich keinen Grund nicht auf ein barcamp zu gehen, dafür eine Reihe von Gründen die dafür sprechen.

Man lernt nicht nur eine Reihe von interessanten Menschen kennen und lernt etwas bei den Vorsträgen, sondern man hat dabei auch noch eine Menge Spaß, es ist in den meisten Fällen kostenlos und das sogar incl. Essen und Trinken und man erweitert sein Netzwerk, kommt in einen Kreis von netten aufgeschlossenen Menschen, die recht schnell zu guten Bekannten oder Freunden werden können und wer weiß, vielleicht begenet Ihr sogar dort Euren Traummann - wer es nicht versucht der kann es auch nicht rausfinden ;)

In diesem Sinne bis zum nächsten barcamp, eine Übersicht findet Ihr in meiner Übersicht über die anstehenden barcamps in Deutschland.

PS: Dem Thema “Sinn und Unsinn eines barcamps NUR für Frauen” widme ich mich demnächst.

* In der Studie erfasst wurden Bebo, Blackplanet, Classmates, Facebook, Flickr, Flixster, Friendster, Hi5, LinkedIn, Multiply, Myspace, MyYearbook, Perfspot und Tickle

This entry was posted on Thursday, July 31st, 2008 at 7:59 pm and is filed under Aktivismus, Herdentier, nur so. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

There are currently 10 responses to “Warum sind so wenig Frauen auf barcamps ?”

Hast Du eine Meinung?

  1. 1 On July 31st, 2008, Basic Thinking Blog | warum so wenig Frauen auf Barcamps? said:

    [...] Vivia versucht sich an diesem Thema auf ihrem Blog Zeniscalm in the Chaos: Warum sind so wenig Frauen auf barcamps? [...]

  2. 2 On July 31st, 2008, Ivy said:

    Meine Meinung als Statistikerin: Die grundlegenden Zahlen sind falsch… mindestens die Hälfte aller pubertären Jungs legt sich ein Mädel-Profil an.

    Meine Meinung als Frau: Die meisten Jungs versuchen das mit dem Frauenprofil immer wieder.^^

    Ernsthaft sehe ich es eher so, dass in allen Netzwerken, die nicht die reinen Softskills, wie Kommunikation im Fokus haben, Frauen nicht so aktiv sind wie Männer. Und die Facebook- und MySpace-Kiddies - egal ob Mädel oder Bub brauchen ihrer (und meiner) Auffassung nach kein Barcamp… Unfallfrei Chatten und Tapete wechseln bei Twitter schaffen ja auch Dummies wie ich ;-)

  3. 3 On August 1st, 2008, zeniscalm said:

    @Ivy Glaube mir nicht nur pubertierende Jungs tun sowas ;)
    Auf dem barcamp Stuttgard bist Du aber doch dabei oder? Von brauchen hat ja auch keiner was gesagt aber ich bin der Meinung das es sich durchaus lohnt sich barcamps mal anzusehen.

  4. 4 On August 1st, 2008, Genderblog » Hohe Präsenz von Frauen in Sozialen Netzwerken said:

    [...] Vivian fragt: Warum sind so wenig Frauen auf barcamps? Andere auf diesen Beitrag hinweisen [...]

  5. 5 On August 1st, 2008, Cem said:

    Ja, es stimmt. Es gibt einfach zu wenig Frauen auf barcamps und anderen Veranstaltungen. Aber irgendwie steht das im Widerspruch zu der Aussage, dass es in Social Networks mehr Frauen als Männer geben soll.

    Ich habe keine echte Erklärung dafür.

  6. 6 On August 2nd, 2008, Barcamp für Frauen in München ::: Ende August » miradlo bloggt said:

    [...] Artikel Vivian zum Thema wenige Frauen auf Barcamps, der ebenfalls von Robert angesprochen wurde. Wie meist bei solchen Themen ist die Diskussion [...]

  7. 7 On August 2nd, 2008, Andreas Kyriacou wasting space on the web said:

    Blogcamps - das letzte Reduit für Männer?…

    Doch es tut sich ein neuer Bereich auf, bei dem Mann noch bestimmt, wo’s lang geht: Barcamps, offene Veranstaltungen der Internet- und Software-Szene ziehen kaum Frauen an. Aktuelles Beispiel: Das BlogCamp 3.0, das am 29. August im Zürcher Technopark…

  8. 8 On August 2nd, 2008, Andreas Kyriacou said:

    Irgendwie funzt das nicht mit dem Trackback via haloscan. Deshalb mein Verweis auf Deinen Artikel in Kommentarform. Vielleicht hast Du bis zum Zürcher Blogcamp bereits ein paar klarere Antworten auf Deine Frage? Bin gespannt!

  9. 9 On July 30th, 2009, Andreas Kyriacou über Manches » Hier etwas sinnvolles eintragen » Blogcamps – das letzte Reduit für Männer? said:

    [...] Bühne geht. Unter den 68 angemeldeten Personen sind ganze vier Frauen. Eine davon fragt in ihrem eigenen Blog, wieso Frauen sich an solchen Veranstaltungen kaum blicken lassen, zumal Frauen gemäss [...]

  10. 10 On January 29th, 2010, mixxt said:

    BarCamp-Leitfaden: Teilnehmerinnen & Teilnehmer…

    Keine Zuschauer – nur Teilnehmer! Im Wiki verschiedener Camps wird zum Mitmachen aufgerufen:
    Teilnehmer müssen entweder eine Präsentation oder eine Session abhalten oder aber bei einer mithelfen, oder sonstwie als Freiwilliger zum Gelingen der …

Leave a Reply