Die (un)beschwerte Leichtigkeit des Seins - oder was kann ich noch bloggen
Als ich damals angefangen habe zu bloggen kannte mich niemand in der weiten Welt des Internets.
Ich war eine einfache Studentin, die gerade an Ihrer Diplomarbeit arbeitete und einfach nur neugierig und interessiert am Internet war und gerne schreibt.
Gegen alle Wiederstände, die ich in meinem damaligen direkten Umfeld auslöste fing ich an zu bloggen - unter Pseudonym und war erstaunt wie schnell ich in der blogger-Gemeinde aufgenommen wurde.
Spaß am Schreiben und die Dynamik mit der sich diese Online Welt bewegt zog mich schnell in den Bann. Ich schrieb unbekümmert und frei nach Schnauze meine Meinung und lernte schnell diese zu verteidigen.
Ich konnte einfach so sein wie ich bin, mit allen Höhen und Tiefen ob emotional, sachlich, albern, belehrend oder todernst - ich wurde einfach so akzeptiert wie ich bin - aus der heutigen Perspektive muss ich gestehen, das ich das vorher im “realen Leben” nicht so erlebt bzw nicht so wahr genommen habe. Vielleicht klingt es absurd aber dieses virtuelle Erleben hat mich stark gemacht und ich habe es nach und nach in die reale Welt übertragen - was nicht jedem passte, aber das ist eine andere Geschichte..
Schnell entwickelten sich virtuelle “Freundschaften”, die sich teilweise auch ins reale Leben übertrugen und noch bis heute anhalten. Darunter sind liebe Menschen, die einen maßgeblichen Einfluss auf meinen Lebenslauf hatten, wie
- derjenige, der mir damals den letzen Schubs zu bloggen gegeben hat (ich weiß er will lieber ungenannt bleiben),
- Cem, der mich damals für das wordcamp eingesetzt hat & damit entscheidende Veränderungen initiert hat
- Christian, der mit mir nicht nur Projekte wie das artcamp aus dem Boden gestampft hat sondern auch im letzten Jahr, dass besonders turbulent war immer auf meine Chinchillas aufgepasst hat
- derjenige, der ein ganz besonderer Mensch in meinem Leben ist & mich beim “wachsen” unterstützt
- noch viele andere mehr, die hoffentlich nicht böse sind wenn ich sie hier nun nicht einzelnd nenne..
Mit dem Moment als ich anfing mich auch offline auf Veranstaltungen rumzutreiben und immer mehr Menschen zu dem Pseudonym und einen Namen kannten wurde es Stück für Stück schwerer die Leichtigkeit beim bloggen beizubehalten. Plötzlich war mein Name untrennbar mit meinem Pseudonym verbunden und dies nicht nur offline sondern auch in google.
Seitdem ist es kompliziert geworden, denn ich habe ein Talent dafür Dinge doppel- und dreifachdeutig zu schreiben und ausserdem ist jeder blogpost eine Momentaufnahme, die auf keinen Fall repräsentativ für den ganzen Menschen ist, der ich bin. Plötzlich war es da, dass Problem, was andere von mir denken die mich lesen aber nicht kennen.
Ich stehe nach wie vor zu dem was ich geschrieben habe - keine Frage - und als ich neulich meine alten blogeinträge gelesen habe lag ich teilweise unter dem Tisch vor lachen. Unabhängig davon ist es mittlerweile so, dass ich 3 mal überlege was ich über meine Gedanken und Gefühle schreibe und mich dann meistens doch entscheide es zu lassen.
Nun frage ich mich - ist das übertrieben? Darf / kann man nicht mehr so menschlich sein wenn man “in der Öffentlichkeit” steht als wenn man undercover ist? Sollte man das Herz aussen vor lassen und nur noch mit dem Kopf bloggen?
Meine Artikel hatten immer einen emotionalen Touch, was einfach daran liegt, dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin und Themen mit denen ich mich beschäftige nicht nur mit der rechten sondern auch mit der linken Gehirnhälte betrachte. Ist es unprofessionell so zu schreiben bzw muss es hier, auf meinem privaten blog 100% professionell sein?
Muss ich mir wirklich jedesmal Gedanken darüber machen wie ein Mensch der mich nicht kennt einen Artikel von mir interpretiert, in dem ich vielleicht auch mal traurig oder wütend bin?
Oder mache ich mir seit Monaten viel zu viele Gedanken darüber und sollte einfach wieder anfangen zu schreiben - wie früher, unbeschwert und frei nach Schnauze?







