7th August 2007

Viel Lärm um nichts - StudiVZ und die Ekelspots

posted in Eyes wide open, Landplagen |

Es ist Sommer, die Sonne scheint, die Menschen gehen nach draussen, sind im Urlaub und vernachlässigen die Welt der kunterbunten Online-Lektüre.  

Aus Langeweile beteiligen sich Traffic-Fetischisten an lustigen kleinen Technokratie-Kaper-Versuchen (Fluch der Karibik war ja auch ein Renner, vielleicht sollte ich doch mitmachen?), holen sich den allzeit guten Rat bei Renè (einer der wenigen A-Blogger die ich mag, weil er einfach mit Herz dabei ist..) oder werfen Filmrätselstöckchen durch den Cyberspace. 

Aber als in der Bloggosphäre das Theater um die StudiVZ Ekelspots losging war mir klar, dass wir nun endgültig im Sommerloch angekommen sind.

Mal bitte ganz ehrlich - ist das wirklich so überraschen? Ich habe mir den Schwachsinn gerade mal hier angesehen  und um ehrlich zu sein bin ich nicht wirklich geschockt (und das als Vegetarier).

 Zwar gebe ich dem Werbeblogger absolut Recht und finde das ganze  ebenso

“Platt, dumm, unlustig und menschenverachtend. Das hat für mich nichts mit Rebellentum, Satire, Kunst oder sonst irgendwie etwas zu tun.”

Aber im Endeffekt ist diese Marketing-Strategie nicht vielmehr als eine Weiterentwicklung der Schwachsinns-Kultur die auf StudiVZ allgemein und im speziellen in einer Vielzahl von Gruppen ihren Ausdruck findet.

Das Niveau an sich liegt dort in der Regel weit unter dem Meeresspiegel. Ein paar kleine Beispiele hier

Unter dem vermeidlichen Schutz der Community, wird so viel stumpfsinniger Müll produziert, dass ich jedesmal wieder einen latenten Brechreiz verspüre, wenn ich mich ein bisschen dort umschaue.

Zugegeben, ich bin dort trotzdem Mitglied, da beuge ich mich ganz dem menschlichen Herdentrieb und vor allem meiner unstillbaren Neugier.

Es ist nun mal äusserst interessant zu sehen, wie Menschen die man noch auch guten alten Abi-Zeiten kennt sich verändert haben und vor allem wie sie sich darstellen, obwohl diese Darstellung hin und wieder ziemlich erschreckend sein kann.

Tja und manchmal kommt es auch vor, dass man in irgendeinem Fotoalbum über den letzen Absturz auf einer Party stolpert, der in all seinen unschönen Details von dem Strip auf dem Wohnzimmertisch, über die Knutscherei mit dem siffigem Nerd, bis hin zu dem entleeren des Mageninhalts mit anschliessendem Nickerchen im selbigen, dokumentiert ist.

Sowas finde ich noch viel schlimmer als die Spot, weil es echt ist und weil es grausam ist, einem Menschen sowas anzutun. DAS nenn ich wirklich menschenverachtend!

Kurzum, die Macher dieser Werbespots haben mit diesem Aufruhr genau das erreicht was sie wollten - Aufmerksamkeit - und  um das Ganze noch ein bisschen kulturell zu beenden, hier noch ein Zitat aus Shakespeares viel Lärm um nichts

“Zu böse ist mehr als böse: auf die Weise entgeht mir eine Gabe Gottes, denn es heißt: ‘Gott gibt einer bösen Kuh kurze Hörner, aber einer zu bösen Kuh gibt er gar keine.’

Shakespeare, Viel Lärm um nichts II, 1 “

This entry was posted on Tuesday, August 7th, 2007 at 9:06 pm and is filed under Eyes wide open, Landplagen. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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